Programm

Zeit und Ort:

  • Freitag, 31. Jänner 2020
  • Wissensturm Linz, Kärntnerstraße 26

Ablauf:


14:30 Einlass und Registrierung
15:00 Eröffnung und Begrüßung
15:15 Eingangsstatements (je 20 Min. für die 3 ReferentInnen)
16:15 Pause
16:30 Beginn der Workshops
18:15 Pause
19:00 Podiumsdiskussion mit den drei ReferentInnen. Moderation: Barbara Duftschmid
21:00 Ende

Abstracts:


Marianne Gronemeyer:


Ob Grenzen dem friedlichen Beieinander dienlich oder hinderlich sind, lässt sich auf eine allgemeingültige Weise nicht entscheiden. Es gehört zum Wesen der Grenzen, dass sie widersprüchlich sind. Sie entziehen sich einer klipp und klaren Definition und erst recht einer eindeuutigen Zuordnung zu ‚richtig‘ und ‚falsch‘, 'Gut’ und ‚Böse‘. Das einzige, was sich vielleicht über sie sagen ließe ist, dass sie Hüterinnen der Verschiedenheit sind. Wir finden uns in der paradoxen Situation vor, dass wir mit einem doppelten Skandal konfrontiert werden: der weltweit zunehmenden Ungleichheit und der weltweit zunehmen Gleichheit, die alles einerlei macht.

Andrea Komlosy:


Grenzen sind weder unverrückbar noch kann man sie sich einfach herbei oder weg wünschen. Menschen leben in einer Vielzahl von Bezügen und Identitäten,deren Ein- und Ausschlussmechanismen zwangsläufig zu Konflikten führen. Grenzen und Grenzregime eignen sich zur Herrschaft, zur Konfliktlösung oder zur Befreiung.Der Mythos der Grenzenlosigkeit negiert räumliche soziale Bindungen und Selbstbestimmung. Er verschleiert die Macht der Stärkeren, ihre Interessen immer und überall durchzusetzen

Martin Heintel:


Grenzen, Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen sind eine dem Menschen zutiefst verinnerlichte Abstraktions- und Handlungspraxis. Eine Grenze ist eine gedachte oder abstrakte Linie, anhand der Unterscheidungen getroffen werden und Dinge durch Differenz identifiziert werden. Wenn auch Grenzen und Grenzziehungen ein anscheinend menschliches Wesensmerkmals darstellen, so steht dem die weit verbreitete Erfahrung gegenüber, dass Grenzüberschreitungen zu einer festen Routine auf unterschiedlichen Ebenen der alltäglichen Handlungspraxis zählen. Seien es Verwaltungsgrenzen, über die Städte schon längst hinausgewachsen sind oder Staatsgrenzen, die vom „kleinen Grenzverkehr“ bis hin zur Mobilität im vereinten Europa hinsichtlich ihrer Relevanz und Sinnhaftigkeit in Frage gestellt werden. Die Überwindung und Aufhebung der nationalstaatlichen Grenzen stellt auf der einen Seite eine zentrale Errungenschaft im europäischen Einigungsprozess dar, auf der anderen Seite bedeutet das Innere der Grenze vielfach symbolische Verortung mit differenzierten Aufladungen von deren Bedeutung.